| 14.6.04. | WIR |
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Donnerstag, 10.6.2004 fand die erste öffentliche Diskussion zum Bebauungsplan
"Industriegebietsflächen Obergeorgswerder Deich" statt. Es handelt sich dabei
um ein ehemaliges Spülfeld von 50 Hektar Größe im Wilhelmsburger Osten, dort wo die
große Windkraftanlage an dem Autobahnkreuz Hamburg Süd steht. Eingeladen zur Diskussion hatte der Stadtplanungsausschuss des Bezirks Harburg und 70 BürgerInnen aus Wilhelmsburg kamen, um zu erfahren, wieso und wie der Wilhelmsburger Osten mit einem Industriegebiet verschandelt werden soll. Den Reigen von Referenten eröffnete Carl-Henning von Ladiges, Leiter der Stadtentwicklungsabteilung in Harburg. Er stellte erst einmal klar: Seit den 70er Jahren sei dieses Gebiet im Flächennutzungsplan, der die übergeordnete Funktionsteilung in der Stadt festlegt, als Gewerbe-/Industriefläche ausgewiesen. Nun, da der Senat die "Wachsende Stadt" propagiert, sollen im gesamtstädtischen Interesse große zusammenhängende Industrieflächen entwickelt werden, um noch nicht bekannten Firmen die Ansiedlung schmackhaft zu machen. Da Industrie immer auch mit schädlichen Auswirkungen auf Luft einhergeht und i.d.R. einen 24 Stunden Betrieb bedeutet, kommen in Hamburg nur ganz wenige Flächen in Frage. Und Wilhelmsburg hat wieder das Glück, eine dieser Flächen - auch noch die größte - sein eigen nennen zu dürfen. Ein weiterer Grund: der "Sprung über die Elbe" bedeutet auch, dass Hafengewerbe umgesiedelt werden muss, um Platz für Parks und Wohnbebauung zu schaffen. Konkret geht es dabei um die Option, das Überseezentrum der HHLA (30 Hektar) vom Kleinen Grasbrook zu verlagern - eben auf dieses Spülfeld. Anhand von zwei Funktionsplänen wurde die denkbare Bebauung dargestellt. Einmal mit großen Hallen (130.000 qm) und Gleisanschluss, dann wieder mit vielen kleinen Hallen. Um Flexibilität zu erreichen, wird auf eine Baufeldausweisung verzichtet. Daher wird nur die Baugrenze gezogen - was und wie dann gebaut wird: das wird man dann schon sehen. In jedem Fall wird die Verkehrsanbindung ein großes Problem, denn obwohl das Gebiet direkt neben der Autobahn liegt, ist es von ihr aus nicht direkt erreichbar. Aber da haben die Planer auch bereits etwas ausgeheckt: Neben der Anbindung über die Peute nach Norden, soll es dem PKW und LKW gestattet werden, sich durch den Wilhelmsburger Osten seinen Weg zur Autobahnauffahrt Stillhorn zu suchen. Dort wo heute in 24 Stunden 750 PKW und Busse fahren, sollen dann bis zu 1000 PKWs und 500 LKWs zusätzlich rollen. Also eine Verdreifachung des Verkehrs auf den Deichstraßen. Natürlich wird auch im Detail an der Tradition der Harburger Stadtplanung festgehalten, schützenswerte Kulturgüter in Wilhelmsburg zu vernichten. So soll der denkmalschutzwürdige "Schrödersche Hof" abgerissen werden, weil er im Deichfuß und der Zuwegung zum Industriegebiet im Wege steht. Man hat dies wohl beim Neubau des Deiches einfach übersehen und vergessen, dort einen kleinen Schlenker zu machen. Im besten Fall soll der Hof in Curslack wieder aufgebaut werden - auf Wilhelmsburg findet sich ja kein Platz dafür. Frau Buchwald vom Büro EGL Entwicklung und Gestaltung von Landschaft GmbH (www.egl-plan.de), erläuterte die Naturschutzfachliche Bestandssituation. Der östliche Teil des Gebietes, der vor dem Deich an der Elbe liegt, solle naturnah entwickelt werden, wie der dort bereits vorhandene Tide-Röhrichtgürtel, der nach dem Hamburger Naturschutzgesetz geschützt ist. Netz Dieser Elbuferstreifen würde dann auch in das "Natura 2000" Netz eingehen, das natürliche Lebensräume erhalten und die Wanderung von Tieren ermöglichen soll. Da bei einem so großen Vorhaben danach getrachtet werden muss, das für zerstörte Grünfläche ein Ausgleich bzw. Ersatz geschaffen wird, dies aber auf dem Industriegelände nicht möglich ist, schaute man sich um und entdeckte, das u.a. die Höder Wettern ökologisch aufgewertet werden können. Allerdings wurde nicht gesagt, daß der Wasserverband auch jetzt schon verpflichtet ist, ökologieverträgliche Wasserstände einzuhalten - es aber einfach nicht tut. Wie sollte es also in Zukunft gewährleistet sein, das die Wettern nicht mehr trockenfallen? Nachdem also knapp 1 ½ Stunden die Verwaltung ihr derzeitiges Treiben beschrieben hatte, durften auch die BürgerInnen zu Wort kommen. Hier eine kleine Auswahl an Meinungen: Harald Köpke (BUND Hamburg) war entsetzt und fragte, ob dies wirklich das Ergebnis von jahrzehntelangen Planungen, Gutachten und angeblichen Umdenkungsprozessen sei. Er stellte das völlige Fehlen eines Gesamtkonzeptes für den Wilhelmsburger Osten fest und appellierte an die CDU: Lassen Sie sich nicht wie früher die örtliche SPD von den Regierenden instrumentalisieren. Wehren Sie sich. Ansonsten fördere dies nur den eh schon eklatanten Glaubwürdigkeitsverlust, den die Harburger Politik in den letzten Jahren erlitten hat. Helga Schors (Arbeitskreis Georgswerder): Dies sei ein Denkwürdiger Tag. Wenn die Schaffung eines Industriegebietes auf der Grünen Wiese das erstes Projekt vom "Sprung über die Elbe" sei, dann gute Nacht. Der AK Georgswerder lehne generell alle Bebauung ab. Ohne Verkehrskonzept sei die Planung völlig indiskutabel. Es muss um die Sicherung des Ostens für Landwirtschaft, Freizeit und Erholung gehen und für die Mülldeponie müsse endlich der seit langen versprochene Ausgleich her. Claudia Roszak (Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg e.V.) war ebenfalls entsetzt. Das Verhalten des Stadtplanungsausschuss sei indiskutabel und wenn die Planungen realisiert werden, dann könne man auch die IGA vergessen. Dem Bausenator Freitag und dem Bürgermeister v. Beust müsse klar sein, das mit der Vernichtung des Wilhelmsburger Ostens auch Lebensqualität vernichtet wird und die Menschen die Insel und Hamburg verlassen. Dann würde es nichts mit der "Wachsenden Stadt". Außerdem fordert sie endlich die Vernetzung mit dem Elberadweg auf der anderen Elbseite herzustellen und dadurch Sanften Tourismus auch in Wilhelmsburg zu fördern. Egon Mertens (ehem. Beiratsvorsitzender): Seit Monaten versuche man den Wilhelmsburger Bürgern was zu verkaufen ("Sprung über die Elbe", ExWoSt Reiherstieg) und gleichzeitig soll der Osten mit seinem Freizeitwert geopfert werden. Dies sei unsinnig und könne nicht hingenommen werden. Corinna Peters-Leimbach (Pastorin St. Raphael) kritisierte die Argumentation: "Die Fläche war immer schon für Industrie ausgewiesen" und empfahl umdenken und neu zu planen. Sie wohne gerne in Wilhelmsburg und bietet den Abgeordneten des Stadtplanungsausschusses und der Verwaltung an, mit ihr einen Zug durch Ihre Gemeinde zu machen, damit sie endlich verstünden, was Wilhelmsburg lebens- und leibenswert macht. Es wurde bei allen (!) Wortmeldungen deutlich, dass die WilhelmsburgerInnen es nicht hinnehmen werden, wenn abermals die Elbinsel für eine verfehlte Planung wertvolle Flächen opfern soll - und die Ruhe des Wilhelmsburger Ostens gleich mit. Viele empfanden es als einen Schlag ins Gesicht, das die Ergebnisse der Zukunftskonferenz nicht hinreichend in die Planungen eingeflossen sind. Auch die teilweise sehr guten Ideen aus der Internationalen Entwurfswerkstatt "Sprung über die Elbe" wurden nicht berücksichtigt. Die Ablehnung der derzeitigen Planung ging gar so weit, dass Demos gegen dieses Vorhaben angekündigt wurden. Natürlich durfte nicht fehlen, dass der Vorsitzende des Stadtplanungsausschuss, Herr Buhs von der CDU, sich vorsorglich der politischen Verantwortung entledigte, indem er feststellte, dass der Senat eh über die Köpfe der Harburger hinweg entscheiden würde. Außerdem: Niemandem nütze eine herausragende Ökologie, wenn die Arbeitsplätze fehlten. Wer dort welche Arbeitsplätze schaffen soll, das ließ er, wie so vieles, im Dunkeln. Seine Abschlussworte waren: "Warten wir mal ab. Haben Sie Geduld. Und ich denke, es war für alle Beteiligte eine sinnvolle Veranstaltung". In der Tat wissen wir nun, dass die Obrigkeit ihre Karten noch nicht auf den Tisch gelegt hat. Und auch, das es fruchtlos wäre, in dieser Sache mit "Harburg" zu streiten. Somit erscheint es geboten, nun den Bausenator, den Wirtschaftssenator und den Oberbaudirektor nach Wilhelmsburg einzuladen, um mit den Verantwortlichen in der Stadt ihr verantwortungsloses Handeln zu diskutieren. Der Kampf gegen die Dummheit hat gerade erst begonnen. |
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| Der
"B-Plan Obergeorgswerder 86", erläutert von Herr von Ladiges, Leiter der
Stadtentwicklungsabteilung in Harburg. Der Plan kann, einer Wundertüte gleich, von
kleinteiligem Gewerbe bis hin zu einer Werkserweiterung der Affi nahezu alles enthalten. Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg e.V. Veringstraße 65 21107 Hamburg Tel. 040-31795090 elbinsel@t-online.de |
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