Vier - und Marschlande 5.6.02. Bergedorfer Zeitung

"Brückenschlag längst überfällig"

Radweg entlang der Norderelb-Querung würde Ochsenwerder und Moorwerder wieder vereinen

Pastor und Politiker setzen sich seit langem für eine Verbindung ein, Jetzt erhalten sie Schützenhilfe
Von Jule Monika Witt

Ochsenwerder. "Sie konnten zueinander nicht kommen, das Wasser war viel zu tief." Wohl kaum jemand könnte sich mehr mit dieser Passage aus dem bekannten Volkslied des 15. Jahrhunderts identifizieren als die Menschen aus Ochsenwerder und Moorwercler. Obwohl sie seit dem 12. Jahrhundert gemeinsam der Kirchengemeinde Ochsenwerder angehören, können sie nur zueinander kommen, wenn sie große Umwege in Kauf nehmen. Die Norderelbe schneidet die Kirchengemeinde in zwei Hälften.
Bis 1962 war das kein Problem, denn solange verband eine Fähre die Menschen, machte einen wirtschaftlichen, verwandtschaftlichen, kulturellen und religiösen Austausch auf kurzem Wege möglich. Seit jedoch die Fährverbindung eingestellt wurde, "ist aus dem Katzensprung ein 16 Kilometer langer Umweg mit dem Auto geworden", sagt Pastor Edgar Schwedler. Er weiß ein Lied davon zu singen, denn er tauft, traut und beerdigt nach wie vor auch seine Gemeindeglieder in Moorwerder.
"Ein Brückenschlag zwischen der Elbinsel Wilhelmsburg und den Vier- und Marschlanden ist längst überfällig", meinen nicht nur Pastor Schwedler und der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Michael Dose, der zuletzt 1997 in dieser Sache eine Kleine Anfrage an den Senat richtete. Die beiden Ochsenwerder werden in ihrem Anliegen nun auch von dem Verein "Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg", der aus der Zukunftskonferenz hervorgegangen ist, unterstützt. "Der Wilhelmsburger Osten und die Vier- und Marschlande sind schon jetzt - jedes für sich - ein Eldorado für Spaziergänger, Skater und Radfahrer. Durch eine Uberwindung des trennenden Elbstromes lassen sich die Qualitäten für Natur, Naherholung und Freizeitnutzung potenzieren", sagt Manuel Humburg vom Verein.
Die Gelegenheit ist günstig. Anlässlich der Eröffnung des Elberadweges am Freitag, 14. Juni, macht der Verein einen "kostengünstigen und kurzfristig realisierbaren" Vorschlag: einen Radweg an die vorhandene Autobahnbrücke über die Norderelbe zu montieren und diese Querung in das vorhan-dene Radwegenetz zu integrieren. Denn der Radweg, der in Bad Schandau an der Grenze zu Tschechien beginnt und in Cuxhaven endet, "spart auf seiner Route ausgerechnet Europas größte Flussinsel aus", sagt Humburg. "Anstatt die Radler durch das in vielerlei Hinsicht interessante Stromspaltungsgebiet der Elbe, mitten durch den Hafen und durch den alten Elbtunnel zu den Landungsbrükken zu leiten, müssen sie sich unter anderem über die Amsinckstraße dorthin quälen."
Die Vereinsmitglieder wollen am Eröffnungstag des Elberadweges ihren Vorschlägen mit vielen Aktionen Nachdruck verleihen.

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