Ochsenwerder. "Sie konnten zueinander nicht kommen, das Wasser war viel
zu tief." Wohl kaum jemand könnte sich mehr mit dieser Passage aus dem bekannten
Volkslied des 15. Jahrhunderts identifizieren als die Menschen aus Ochsenwerder und
Moorwercler. Obwohl sie seit dem 12. Jahrhundert gemeinsam der Kirchengemeinde
Ochsenwerder angehören, können sie nur zueinander kommen, wenn sie große Umwege in Kauf
nehmen. Die Norderelbe schneidet die Kirchengemeinde in zwei Hälften.
Bis 1962 war das kein Problem, denn solange verband eine Fähre die Menschen, machte einen
wirtschaftlichen, verwandtschaftlichen, kulturellen und religiösen Austausch auf kurzem
Wege möglich. Seit jedoch die Fährverbindung eingestellt wurde, "ist aus dem
Katzensprung ein 16 Kilometer langer Umweg mit dem Auto geworden", sagt Pastor Edgar
Schwedler. Er weiß ein Lied davon zu singen, denn er tauft, traut und beerdigt nach wie
vor auch seine Gemeindeglieder in Moorwerder.
"Ein Brückenschlag zwischen der Elbinsel Wilhelmsburg und den Vier- und Marschlanden
ist längst überfällig", meinen nicht nur Pastor Schwedler und der
SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Michael Dose, der zuletzt 1997 in dieser Sache eine Kleine
Anfrage an den Senat richtete. Die beiden Ochsenwerder werden in ihrem Anliegen nun auch
von dem Verein "Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg", der aus der Zukunftskonferenz
hervorgegangen ist, unterstützt. "Der Wilhelmsburger Osten und die Vier- und
Marschlande sind schon jetzt - jedes für sich - ein Eldorado für Spaziergänger, Skater
und Radfahrer. Durch eine Uberwindung des trennenden Elbstromes lassen sich die
Qualitäten für Natur, Naherholung und Freizeitnutzung potenzieren", sagt Manuel
Humburg vom Verein.
Die Gelegenheit ist günstig. Anlässlich der Eröffnung des Elberadweges am Freitag, 14.
Juni, macht der Verein einen "kostengünstigen und kurzfristig realisierbaren"
Vorschlag: einen Radweg an die vorhandene Autobahnbrücke über die Norderelbe zu
montieren und diese Querung in das vorhan-dene Radwegenetz zu integrieren. Denn der
Radweg, der in Bad Schandau an der Grenze zu Tschechien beginnt und in Cuxhaven endet,
"spart auf seiner Route ausgerechnet Europas größte Flussinsel aus", sagt
Humburg. "Anstatt die Radler durch das in vielerlei Hinsicht interessante
Stromspaltungsgebiet der Elbe, mitten durch den Hafen und durch den alten Elbtunnel zu den
Landungsbrükken zu leiten, müssen sie sich unter anderem über die Amsinckstraße
dorthin quälen."
Die Vereinsmitglieder wollen am Eröffnungstag des Elberadweges ihren Vorschlägen mit
vielen Aktionen Nachdruck verleihen. |