Stade - Den Fahrtwind im Haar, die Füße auf den Pedalen und vor Augen den
Fluss - mal verwunschen und geheimnisvoll wie in den wendländischen Auen, als
leistungsstarke Wasserstraße in Hamburg oder als mächtiger Strom bei Stade: Die Elbe hat
viele Gesichter. Eine beliebte Art, sie kennen zu lernen, ist vom Fahrrad aus.
Radeln kann man schon länger an den Ufern des mehr als 1000 Kilometer langen Flusses. Nun
ist auch der offizielle Elbe-Radweg komplett. Beschildert mit einem geschwungenen blauen
"e" auf weißem Grund weist ein einheitliches Logo den Weg von Dresden bis nach
Cuxhaven. Am 15. Juni wird der nördliche Teil der Strecke vom brandenburgischen
Wittenberge bis zur Mündung in die Nordsee mit einem Fest in Stade eingeweiht (siehe
Info-Kasten).
Helga und Dieter Hilgenstock wollen so lange nicht warten. Bei Twielenfleth (Landkreis
Stade) stehen sie mit ihren Rädern auf dem Elbdeich: "Es ist immer wieder
schön", sagen die Bochumer. Gerade zieht ein großes Containerschiff Richtung Westen
vorbei. Auf der anderen Seite liegt das Leuchtfeuer Julsand in der Sonne. Langsam rollen
die Wellen an das Ufer. Dann steigen die Eheleute wieder auf ihre Räder. Ein starker
Gegenwind bläst von Osten. "Aber es gibt keine Steigungen", sagt Helga
Hilgenstock noch lachend und radelt los.
Radtourismus wird immer beliebter. Nach einer Analyse des Allgemeinen Deutschen
Fahrrad-Clubs (ADFC) machten 1,8 Millionen Deutsche 2001 einen mehrtägigen Fahrradurlaub,
nahezu die Hälfte aller Urlauber nutzte in den Ferien das Rad. Fahrradttouristen sind ein
wichtiger Wirtschaftsfaktor. Laut ADFC zählt der Elbe-Radweg nach den Strecken an Weser
und Donau zu den beliebtesten im Land.
"Wir sind froh, dass wir nun endlich auch die Streckenführung und die Beschilderung
für den nördlichen Teil fertig haben", sagt Frank Tinnemeyer von der Stader
Tourismus GmbH. Man habe sich um eine möglichst abwechselungsreiche Route bemüht. Sie
führt durch die naturbelassenen Landschaften östlich Hamburgs, vorbei an den
Gemüseanbaugebieten in Vierlanden und mitten durch die Industrieansiedlungen in
Hamburg-Tiefstack und -Rothenburgsort. Im Westen locken das Alte und das Kehdinger Land.
Wer lieber rechtselbisch radelt, fährt durch Blankenese und am Schulauer Fährhaus vorbei
Richtung Glückstadt, Kollmar und Brunsbüttel. "Die Qualität der Radwege ist fast
immer gut bis sehr gut", sagt Tinnemeyer.
Monatelang dauerte die Abstimmung innerhalb der Metropolregion Hamburg. Die 360 Kilometer
lange Nordroute führt rechts- und linkselbisch durch die Länder Brandenburg,
Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen.
Insgesamt 1650 Schilder wurden aufgestellt - drei pro Kilometer. Kosten: 125 000 Euro.
Orientierung gibt außerdem ein kostenloses Faltblatt, das die Strecke in Tagestouren
unterteilt beschreibt. Zusätzlich sind Sehenswürdigkeiten, Servicestationen,
radfreundliche Unterkünfte und Fremdenverkehrszentralen aufgelistet. Die Broschüre ist
in den Tourismuszentralen entlang der Elbe erhältlich. "Die Resonanz ist sehr
groß", weiß Per Köster vom Tourismusverbund Alte Salzstraße in Ratzeburg.
Ausführliche Informationen beinhaltet auch der Radwanderführer "Elbe-Radweg 2: Von
Magdeburg nach Cuxhaven". Das Buch orientiert sich an der offiziellen
Streckenführung. Es ist im Esterbauer-Verlag erschienen und kostet 11,90 Euro (ISBN
3-85000-079-6). |