demos Internet - Ideenwettbewerb 2003
zum Thema:
"Hamburg - Wachsende Stadt"
Idee: Freizeitgebiet Obergeorgswerder
Im Forum wurde die Frage gestellt, was denn an den Plänen sei, in Obergeorgswerder auf der Fläche zwischen der Autobahn im Norden und Westen eine Gewerbegebiet einzurichten. Dieser Plan wurde von den Diskutierenden abgelehnt, statt dessen braucht Wilhelmsburg mehr Freizeitangebote. So wird vorgeschlagen, die Fläche nach alten Plänen zu einem Naherholungsgebiet mit Wald oder einem Volksgolfplatz auszubauen.
Ein wichtiges Naherholungsgebiet

Es wird gemutmaßt, dass die Bedeutung der Fläche zwischen der Affinerie und Obergeorgswerder Deich nicht erkannt würde. Doch gerade, weil es an das Industriegebiet Peute angrenze - dank Mindernutzung des Hafens inzwischen ein wahres Vogelparadies -, sollte hier ein grüner Gürtel als Schutzwall, Sichtschutz, Luftfilter etc entlang der Industrieabgrenzung angelegt werden. Diese Ansicht wird dadurch unterstützt, dass sich gleich daneben das Naturschutzgebiet Rhee mit der Dove Elbe, das Rückdeichungsgebiet Kreetsand (auf über 600000qm entsteht in den nächsten Jahren dort ein tidenabhängiges Auengebiet), und gegenüber die tollen Flächen des ehem. HWW Kaltehofe, die Dove Elbe samt Ruderregattastrecke und natürlich die Vier- und Marschlanden befänden. Um dieses Naherholungsgebiet nicht massiv zu beeinträchtigen, sollte die Fläche südlich der Affinerie (A1 nach Lübeck / Berlin) auf dem Gebiet von Wilhelmsburg für eine gewerbliche Nutzung nicht zur Verfügung stehen. Wie Messergebnisse der letzten zwanzig Jahre zeigten, bewirkt das Gebiet eine wesentliche Filterfunktion. So war auch schon mal ein Wald oder ein Volksgolfplatz geplant. Wilhelmsburg bräuchte eben viel mehr Freizeitangebote dieser Art, um potentielle Bewohner anziehen zu können.Unter einer "Wachsenden Stadt" müsse auch "mehr Ausgleichsfläche" - als Schutz vor Hochwasser verstanden werden. Das bedeute "mehr Auewälder", welche gleichzeitig Naherholungsgebiete sein können. In Georgswerder wurde vor einiger Zeit der Deich zurückgebaut. Es ist ein neues Fleckchen entstanden, wo die Menschen spazieren gehen, grillen oder auch Skateboard fahren könnten. Es wird - auch auf die Gefahr hin, die Bauern würden aufschreien - vorgeschlagen, noch mehr Deiche nach diesem Beispiel zurückzusetzen.

Ein Teil Hamburgischer Geschichte

Es wird bemängelt, dass die historische Bedeutung des Areals südlich der Elbe verkannt würde. So wird beispielsweise die Ericusspitze als ein geschichtliches Relikt benannt, wo gut 4 km von der künftigen Hafencity entfernt nun ein Jahrhunderte alter Bauernhof abgerissen werden soll. Die Begründungen reichen, so die Teilnehmer, von "Platz für Gewerbegebieterschließungsstraße" bis "liegt im Deichfuß". Es wird in diesem Zusammenhang zu bedenken gegeben, dass Hamburgs Reichtum zum Großteil durch die wasserbaulichen Maßnahmen an der Bunthäuser Spitze im Südosten von Wilhelmsburg begründet sei. Nun würden die verbleibenden historischen Zeugnisse der Urbarmachung des Stromspaltungsgebietes für eine Gewerbeansiedlungspolitik geopfert, bei der kein Konzept zu erkennen sei. Es wird daher vorgeschlagen, Gebiete mit herausragender Bedeutung für Hamburg (z.B. Wilhelmsburger Osten, die Vier- und Marschlande) zu Verhinderung von Überformung und Vernichtung von Kulturhistorischen Werken (Gebäude wie Landschaft) unter Schutz zu stellen. In der Nord-City (rund um der Alster) würde dagegen Denkmalschutz diskutiert und praktiziert, Hafenkräne aufgemöbelt und in der Hafencity platziert werden, während südlich der Norderelbe die Terra Incognita vornehmlich als Flächenreserve für Gewerbeansiedlungen gesehen würde. Zur Veränderung dieses Blickwinkels auf Hamburgische Geschichte wird ein Besuch im Heimatmuseum der Elbinsel empfohlen.

Initiativen gegen aktuelle Gewerbepolitik in Obergeorgswerder

Am 3. April 2002 wurde das Sofortprogramme Wohnbau- und Gewerbeflächen für die wachsende Stadt vorgestellt (s. Bibliothek: PM Senatskommission für Stadtentwicklung). Dort wird Bausenator Mario Mettbach zitiert "Unsere Vorschläge zur Entwicklung neuer Wohnbau- und Gewerbeflächen sind eingebettet in einen strategischen Gesamtansatz und stellen einen ausgewogenen Kompromiss dar, dar naturräumliche Anliegen ebenso wie die Belange der Bürgerinnen und Bürger vor Ort berücksichtigt."Diese Aussage wird stark bezweifelt und als Beispiel das über 40 Hektar große Areal Obergeorgswerder angeführt. Dort - auf einem ehemaligen Spülfeld - soll eine Gewerbegebiet entstehen, welches als deplaziert angesehen wird und eine positive Entwicklung der wertvollen Kulturlandschaft im Wilhelmsburger Osten verhindere. Ein "strategischer Gesamtansatz" sei einzig im Mengengerüst der FHH zu erkennen, wonach immer ein bestimmter Flächensatz als kurzfristig zu aktivierende Gewerbefläche vorgehalten werden soll. Dass aber diese Fläche - auch wenn sie seit Jahrzehnten planerisch als potentielle Gewerbefläche ausgewiesen ist - nun kurzfristig aktiviert werden solle, zeuge von einer sehr kurzsichtigen Politik. Bislang gäbe es einen nicht niedergeschriebenen Konsens: der Wilhelmsburger Osten bleibe Grün. Zahlreiche Initiativen auf der Insel sprächen sich eindeutig gegen ein Gewerbegebiet dort aus. Vielmehr sollten Alternativen ernsthaft geprüft werden, um eine Entwicklung dieser Region im Sinne einer attraktiven Naherholung für ganz Hamburg zu ermöglichen. Dazu zähle natürlich auch der Brückenschlag über die Norderelbe. Während Personenfahrzeuge gut die Norderelbe queren könnten, sei dies für Fußgänger und Radfahrer unmöglich. Damit vergäbe sich Hamburg die Chance, erstklassige Naherholungsgebiete (Kaltehofe, Dove Elbe, Vier- und Marschlande, Wilhelmsburger Osten) miteinander zu vernetzen und dadurch einen merklichen Added Value für Hamburgs Bürger zu generieren. So wird angeregt, gemeinsam zu überlegen, wie - trotz Wachstumsvisionen - der Mensch mit seinen Bedürfnissen nach Erholung im Vordergrund stehen könnte und wie mit einer flächenverbrauchenden Gewerbegebietspolitik umgegangen werden könne. Hamburg als kleiner Stadtstaat habe nur 755qkm, die nicht für eine zu kurzsichtige Politik geopfert werden dürften.An dieser Stelle wird auf ein Vorhaben des Naturschutzverbands göp aufmerksam gemacht, das vorsieht, beiderseits entlang der Norderelbe von Kaltehofe bis Moorwerder das innenstadtnächste Naturschutzgebiet Hamburgs zu errichten, unter Einschluss des bestehenden NSG Rhee und der Deichrückverlegung.

Verbindung durch Rad- und Fußgängerbrücke

Dieses Gebiet könne zu Erholungszwecken auch von radelnden Touristen durch eine Fährlinie auf der Norderelbe und einer mehrmals geforderte Rad- und Fußwegbrücke an der A1 zwischen Georgswerder und Billwerder Insel/Moorfleet gut erschlossen werden. Straßenseitig hätten SkaterInnen ihren Weg in dieses Gebiet bereits gefunden. Eine Rad- und Fußgängerbrücke zwischen Moorwerder und Ochsenwerder würde die vollkommen getrennten Stadtteile verbinden und verhindern, dass die Leute aus Moorwerder (zugehörig zum Kirchenkreis Ochsenwerder), wenn sie ihre Kirche besuchen wollen, nicht 16 km mit dem Auto fahren müssenAls Autobrücke jedoch würden Moorwerder und Marschlande zu "Abkürzungsstrecken" für Pendler verkommen. Die Brücke sollte aus Holz gebaut werden, um den Bau kostengünstig zu gestalten.Eine solche Brücke würde nicht nur an die alte Tradition einer Verbindung Moorwerder nach Ochsenwerderanknüpfen, sondern auch neue Möglichkeiten der Fahrradverbindungen von Harburg an Vierlanden erschließen : kommend von Harburg über Neuland über die Autobahnbrücke nach Stillhorn und dann weiterüber Moorwerder nach Ochsenwerder - Bergedorf, Vierlanden. Diese Verbindung würde zwar keine City-Zentralanbindung bewirken, doch zumindest würde hieraus ein Impuls im Zusammenwachsen zwischen diesen Gebieten gefördert werden; bisher seien die Menschen auf die Elbbrücken angewiesen, um mal "in die Heide" oder mal "ins Alte Land" zu fahren- aber wer führe schon diese Umwege? Es wird dagegen bemerkt, dass der Fußgänger/Fahrradweg über die Autobahnbrücke von Neuland nach Stillhorn häufig genutzt würde.
Weiterführende Fragen:

Welche Hindernisse stehen diesen Plänen entgegen? Wie können diese umgangen werden? Kann Obergeorgswerder nicht Bestandteil für die Entwicklungspläne der Internationalen Gartenbauausstellung 2013 werden? Wie kann die verbindende Brücke umgesetzt werden?

Diese Idee wurde diskutiert im Forum "Sprung über & an die Elbe"
Beteiligte im Forum:
MarianneGroß, mariusR, mathias, Bronco, Sternschnuppe, NAEVE