Wahlversprechen? Da gibts für die CDU kein Halten mehr! |
Trotz Zusage von Fraktionschef Reinert will Henning Finck den Spreehafenzaun nicht öffnen. |
Mögliche Gründe und Folgen eines Wortbruchs für die Veddel und für Wilhelmsburg |
| Am 13.1.05 hat der
Stadtplanungsausschuss der Bürgerschaft getagt. Die SPD hatte einen Antrag eingebracht,
wonach der Zollzaun am Spreehafen verlegt, zumindest aber zunächst durch einige
sogenannte Schlupftore geöffnet werden sollte. Dies wurde von der CDU-Mehrheit abgelehnt; Wortführer war Herr Finck. Offenbar hat die Öffnungsablehnung nicht nur die SPD verwundert, sondern auch so manchen CDU-Vertreter. Auf der Sitzung sollen manche nicht mitgestimmt haben allerdings nicht genug, um die Abstimmung zu kippen und hinterher sei es noch heiß hergegangen. Bisher war nämlich auch die CDU dafür, den Zugang zum Spreehafen für die umwohnende Bevölkerung zu öffnen. Das wurde auch auf dem Wahlmarkt, den Zukunft Elbinsel e.V. vor der letzten Wahl veranstaltete, von Herrn Reinert für die CDU noch bestätigt: Aus stadtentwicklungspolitischer Sicht halten wir eine Öffnung des Zollzauns für wünschenswert." Und auch als Sofortmaßnahme sagte der jetzige Fraktionschef Ja zur Zaunöffnung. Diese Zusage wurde jetzt gebrochen. Aber warum? Nun hat die Handelskammer (HK) ein Papier zu Wilhelmsburg vorgelegt. Es trägt den Titel: Leben und Arbeiten im Herzen Hamburgs Die Entwicklungsperspektive der Elbinsel. Darin fordert die HK nicht nur erwartungsgemäß den zügigen Bau der Hafenquerspange (HQS), die über den Spreehafen verlaufen soll, sondern auch noch seine Teilzuschüttung, um dann am südverlegten Nordufer ein Logistikzentrum zu errichten. Das wäre alles gar nicht so schlimm Papier ist geduldig wenn da nicht Herr Finck wäre, der jetzt die Zollzaunöffnung mit Hinweis auf die HQS verhindert hat. Er hat übrigens einen Job bei der Handelskammer, was bei einem Feierabendparlament nichts Verwerfliches ist. Zumal eine Einflussnahme der HK auf die Politik von Herrn Finck völlig ausgeschlossen ist, denn Herr Finck ist dort zuständig für Berufsbildung und Politik macht er in Sachen Sprung über die Elbe. Politik und Arbeit sind hier also sauber getrennt. Eventuell doch auftretende Positionsübereinstimmungen müssen deswegen in das Reich des Zufalls verwiesen werden. Herr Finck hat unter anderem an einem Bürgerschaftsantrag der CDU mitgeschrieben (Den Sprung über die Elbe gestalten..."), worin seine Partei den von ihr selbst geführten Senat bittet, doch etwas für den Sprung über die Elbe zu tun. Interessanterweise war in der ersten Version, die auch schon in die Bürgerschaft eingebracht worden war (nennen wir das mal Frommann-Version) noch etwas von der Verlegung der Freihafengrenze an das Nordufer des Spreehafens zu lesen, und dem Wunsch nach Hausbooten auf dem Wasser. Das ist in der Endfassung des Antrags, hier mal Finck-Version genannt, wieder herausgeflogen. Sie ist zwischenzeitlich von der Bürgerschaft angenommenen. Insgesamt lässt sich der nachgebesserte CDU-Antrag durchaus als ein Abarbeiten der Forderungen des HK-Papiers lesen. Dabei wurde aber ein wenig über das Ziel hinausgeschossen, denn selbst die Handelskammer geht im Bereich des Spreehafens von einer Verlegung der Freihafengrenze nach Norden aus. Herr Finck tritt immer sehr betont als Vertreter der Veddel auf. Sicher werden die BewohnerInnen des Stadtteils Verständnis für sein Handeln aufbringen, denn mit seinem Wohnsitz fernab der Veddel kann er die Dinge mit Distanz betrachten und ist ganz frei von örtlichen Egoismen. Er wird schon wissen, aus welchem Grund die Veddel weiterhin zwischen Verkehrsachsen und unzugänglichen Gewässern eingesperrt bleibt und keinen Zugang in ihr nächstgelegenes Naherholungsgebiet bekommen darf. |
Was
kann der Grund sein, dass Herr Finck so konsequent gegen seinen eigenen"
Stadtteil handelt und auch gegen die ursprüngliche Position seiner Partei? Wie mag es zur
Änderung des Bürgerschaftsantrags gekommen sein? |
Um den
Blick auf Wilhelmsburg zu erweitern: Der Zugang zum Wasser soll nicht nur im Norden durch
Zollzaun bzw. HQS verriegelt werden. Im Osten soll jetzt mit großer Energie die grüne
Kulturlandschaft durch ein neues Industriegebiet in Obergeorgswerder zerstört und durch
erhöhtes Verkehrsaufkommen entwertet werden. Auf der anderen Seite (der Insel) wird aus
der Idee der Erlebbarkeit des Ufers Stichwort Arbeiten und Wohnen am Reiherstieg
durch Druck der Handelskammer eine Perlenkette der Logistik. Hier soll es jetzt
gelten, die empfindliche Gewerbenutzung (O-Ton HK) vor den aggressiven Ansprüchen des
Wohnens zu schützen. Klar, umstürzende Containertürme sollen auf keine Wohnhäuser
treffen. |
Jörg
v. Prondzinski, Angad Swiderski, Ilona Daiber |